Neue EU-Studie bestätigt: Wimperntierchen-Impfstoff schützt vor Grippe

Münster, 09. Dezember 2019. Aktuelle Studie ergibt: Wimperntierchen wirken! Im Rahmen des EU-Forschungskonsortiums ADITEC wurde der neue Grippeimpfstoff CiFlu® diversen Tests unterzogen. Die Ergebnisse belegen eine hohe Wirksamkeit des Vakzins und wurden jetzt im peer-review-Journal „Frontiers in Immunology“ veröffentlicht. Unter anderem wurde die Möglichkeit einer Verabreichung der Impfung mit Nanopartikeln untersucht. Involviert in das Projekt waren Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Frankreich, England, und Italien.

Es ist nur ein kurzer Pieks, doch seine Wirkung kann den Körper über Jahrzehnte vor Erregern schützen: Impfungen gelten als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin. Tödliche Krankheiten, die Millionen Menschenleben forderten, wie einst die Pocken, sind heute aufgrund von Impfungen gebannt. Aber obwohl Impfungen eine so hohe Priorität für unsere Gesellschaft haben, sind die Produktionsmethoden häufig veraltet; es kommt zu Lieferengpässen und einer zunehmenden Skepsis in der Bevölkerung.

Besonders betroffen sind davon die saisonalen, jährlichen Grippe-Impfungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Anzahl schwerwiegender Grippeerkrankungen in den Millionenbereich, jährlich sterben rund 500.000 Menschen an den Folgen der Influenza. Und obwohl die Impfung für viele Menschen überlebenswichtig sein kann, werden regelmäßig im Herbst Meldungen laut, dass nicht mehr ausreichend Vakzine verfügbar sind. Der Grund für die Engpässe ist der Produktionsprozess: Anfang jeden Jahres gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zusammensetzung der aktuellen Impfstoffe bekannt. Danach beginnt die Produktion und Züchtung der Erreger in embryonierten Hühnereiern. Sind diese hergestellt, werden sie abgetötet oder abgeschwächt (attenuiert), mit Verstärkerstoffen bearbeitet und gereinigt.

Veraltete Produktionsmethoden führen zu Kapazitätsengpässen und Impfskepsis

Das Verfahren ist aus diversen Gründen umstritten: Zunächst einmal ist der gesamte Prozess so aufwendig und zeitintensiv, dass er in der Saison zur erwähnten Knappheit führt. Zudem können die Antigene Spuren von Hühnereiweiß enthalten, sodass die Impfstoffe zu Nebenwirkungen bei Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie führen können. Auch besteht die Möglichkeit einer Kontamination der Impfstoffe.
Impfgegner fürchten darüber hinaus Risiken durch die Verwendung der Verstärkerstoffe und wegen des Aufreinigungsprozesses. Auch wenn diese Kritik vom weit überwiegenden Teil der Wissenschaftler abgelehnt wird, verbreitet sich eine zunehmende Impfskepsis in der Bevölkerung. In einer 2010 durchgeführten Studie gaben lediglich 61 Prozent der befragten Patienten an, dass sie sich regelmäßig gegen saisonale Influenza impfen lassen (Boehmer M et al. im Gesundheitswesen 2014).

Alternative durch Wimperntierchen?

Die moderne Medizin braucht also dringend eine Alternative, die mehr Kapazitäten schafft, tatsächlichen Nebenwirkungen vorbeugt und Impfgegnern die Argumente entzieht.
„Grippeimpfstoffe werden zu großen Teilen mit veralteten Verfahren hergestellt“, erklärt Dr. Marcus Hartmann, CSO der Cilian AG. „Wir haben mittlerweile jedoch viel bessere Technologien zur Verfügung, mit denen wir schneller, kostensparender und sauberer produzieren können. Es wird Zeit, dass die Pharmakonzerne diesbezüglich umdenken.“

Hartmann ist der Kopf hinter dem neuen Grippeimpfstoff CiFlu®, der jetzt im Rahmen des Forschungskonsortiums ADITEC mehrfach getestet wurde. Seine Lösung: Harmlose Wimperntierchen, die in normalen Gewässern wie Flüssen oder Seen zu finden sind. Die Einzeller werden in einem biotechnologischen Prozess so umprogrammiert, dass sie die Oberflächenproteine des Grippevirus produzieren. Es wird also nicht mehr der gesamte Erreger hergestellt und anschließend abgetötet, sondern nur Teile seiner äußeren Hülle: Das Oberflächenprotein Hämagglutinin. Dieses macht den Virus für das menschliche Immunsystem über längere Zeit erkennbar.

Das Münsteraner Biotechunternehmen Cilian AG arbeitet bereits seit mehr als 10 Jahren an dem neuen Verfahren. Der Vorteil der Technologie: Die Impfstoffproduktion ist deutlich schneller und günstiger. Da die Wimperntierchen und Oberflächenproteine harmlos sind, sind keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen notwendig: Werden die Impfstoffe derzeit noch im Hochsicherheitstrakt unter Verwendung von Schutzkleidung produziert, stehen die Forscher von Cilian lediglich mit weißen Kitteln, Handschuhen und Schutzbrillen in den Laboren. Zudem ist der Impfstoff sauberer und sicherer als der herkömmliche Standard, birgt keinerlei Risiken für Personen mit Hühnereiweiß-Allergie und es besteht die Möglichkeit, dass er später beim Einsatz am Menschen auch eine größere Schutzwirkung hat. Erste in-vivo Tests ließen bereits auf eine hohe Wirksamkeit schließen.

EU-Studie bestätigt hohe Wirksamkeit

Das wurde nun von einer weiteren internationalen Studie, die im Rahmen des Forschungskonsortium ADITEC durchgeführt wurde, bestätigt. Dabei gelang es erstmals, Vakzine für Grippe A- und B-Stränge mit Hilfe der Wimperntierchen zu produzieren. Untersucht wurde die Wirkung von CiFlu® für saisonale A(H1N1)- und B-Grippestämme in Mäusen und menschenähnliche Primaten. Versuchsgruppen zeigten eine hohe Immunreaktion, wiesen gegenüber der Kontrollgruppe zudem stabileres Körpergewicht auf und unterdrückten die Virus-Vermehrung. Das Ergebnis: CiFlu® bietet hohe Sicherheit und eine Wirksamkeit, die mindestens mit der der aktuellen Präparate auf dem Markt vergleichbar ist.

Die Kombination mit Nanopartikeln ermöglicht eine dosissparende Behandlung

Darüber hinaus ergaben die Untersuchungen die Möglichkeit eines dosissparenden Einsatzes, wenn CiFlu® in Kombination mit Nanopartikeln verabreicht wird. „Die Immunantwort erlebte einen signifikanten Schub und reduzierte die benötigte Menge an Impfstoffen“, heißt es in der Studie.

„Die Ergebnisse der Studie sind für uns nicht überraschend, weil wir wissen, was der Impfstoff kann. Aber es war gut und wichtig, dass das nun noch einmal von mehreren unabhängigen staatlichen Forschungseinrichtungen bestätigt wurde“, erklärt Cilian-CEO Christian Scheiner. „Wir haben auf allen Ebenen gezeigt, dass CiFlu® sicherer, schneller und kostensparender in der Produktion ist. Es ist ein moderner Impfstoff für eine moderne Gesellschaft. Und das Schöne: Durch die hohe Sicherheit entziehen wir Impfgegnern ihre Argumente.“

Finanziert wurde die Studie durch das 7. Rahmenprogramm ADITEC der Europäischen Kommission.  Eingebunden waren neben der Cilian AG unter anderem das Imperial College London, England, die Universität von Sienna, Italien, der CEA-Université Paris Sud, Paris und dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Lyon, beide Frankreich.

Link zur Studie:
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2019.02661/full?&utm_source=Email_to_authors_&utm_medium=Email&utm_content=T1_11.5e1_author&utm_campaign=Email_publication&field=&journalName=Frontiers_in_Immunology&id=496102

Bildnachweis: Dr. Marcus Hartmann im Labor. (c) Markus Köller, www.die-lounge.com

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